Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfung
Bildungsarbeit und Urvölker
Das ÖRK-Team für Bildungsarbeit und ökumenische Ausbildung (EEF) versucht, neue Formen, Ansätze und Methoden ökumenischen Lernens kennenenzulernen. Es setzt sich auch damit auseinander, wie die Prozesse des Lernens, Denkens und Handelns in den ausgegrenzten Sektoren der Gesellschaft ablaufen, d.h. bei Frauen, Kindern und Urvölkern.

Da es notwendig ist, das bislang vernachlässigte Potenzial der kulturellen Vielfalt in der Bildungsarbeit aufzugreifen, und da das Wissen der Urvölker einen Beitrag zum ökumenischen Lernen leisten kann, koordinieren EEF und IPP die Durchführung einer Studie über Urvölker und Bildungsarbeit. Wenn wir uns anschauen, wie in den Gemeinschaften der Urvölker Werte und Wissen überliefert werden, so kann uns dies helfen, die Chancen eines Lebens inmitten kultureller Vielfalt besser zu erkennen.

Drei regionale Konsultationen - Asien/Pazifik (Juli 1999), Lateinamerika (April 2000) und Europa/Nordamerika - wurden bzw. werden noch veranstaltet, um Mitarbeitern/innen, die in Organisationen und Ausbildungsstätten der Urvölker sowie in kirchlichen Einrichtungen auf regionaler und nationaler Ebene Bildungsarbeit leisten, Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zu geben. Zu den Veröffentlichungen, die aus diesen Konsultationen hervorgegangen sind bzw. hervorgehen werden, gehören illustrierte Materialsammlungen. Auf der abschließenden Tagung, die im September 2001 in Norwegen stattfinden wird, werden die Teilnehmer/innen der verschiedenen regionalen Konsultationen Überlegungen, Analysen und Schlussfolgerungen in einem umfassenden Studienbericht zusammenfassen.

Seit Tausenden von Jahren und trotz der Kolonialisierung benutzen die Urvölker ihr traditionelles Wissen, um zu überleben und ihre kulturelle Identität zu bewahren. Aus diesem umfassenden Reservoir an Wissen und Kenntnissen - im Blick auf Sozialverhalten, Glaubensüberzeugungen, Sitten und Bräuche - können wir sehr viel lernen.

Traditionelle Wissenssysteme sind gekennzeichnet und geprägt durch das kollektive Bewusstsein,

  • dass der Mensch eins ist mit der Natur und
  • dass die Schöpfung heilig ist;
  • dass die Natur von Geistern erfüllt ist;
  • dass eine wechselseitige Verbindung und Abhängigkeit zwischen allen Lebensformen besteht und dass die Menschen daher nicht das Recht haben, die Natur für ihre eigenen Zwecke auszubeuten.
    Diese Wissenssysteme beruhen ferner auf:
  • mündlicher Überlieferung: das Wissen wird von einer Generation zur anderen mit Hilfe
  • erzählter Geschichten weitergegeben; Lernen durch Beobachtung und Erfahrung.

  • Asien/Pazifik-Konsultation, Philippinen, Juli 1999
    Die Teilnehmenden betonten, dass die Urvölker ihre Kultur und traditionellen Werte bewahren und ihre Lernsysteme neu beleben müssen, dass sie aber gleichzeitig auch neue Fähigkeiten erlernen müssen, um in einer sich schnell verändernden Welt überleben zu können. Als zentrale Anliegen wurden festgehalten: Land und angestammter Lebensraum; Kunst und die missbräuchliche Aneigung von Kunst und Kunsthandwerk der Urvölker; Geschichte, einschließlich der Dokumentation lokaler Geschichten und eines Überblicks über geschichtliche Abläufe; Sprache; Theologie und Spiritualität der Urvölker; soziale Bewegungen, die im Zusammenhang mit dem Kampf der Urvölker analysiert werden müssen.

    Kirchen und kirchliche Einrichtungen wurden aufgefordert, ihre Arbeit mit Ureinwohnergemeinschaften in Theorie und Praxis neu zu überprüfen. Allzu oft neigen erstere dazu, sich staatlichen Vorgaben anzupassen, und sie haben kein Auge für die kulturelle Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Bedürfnisse. In ihrer Bildungsarbeit müssen die Kirchen sich die Frage stellen, was sie tun können, um die Wissenssysteme der Urvölker kennenzulernen, zu respektieren, zu bewahren, von ihnen zu lernen und sie zu unterstützen.


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