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Angesichts dessen ist der Schutz der Atmosphäre nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern auch eine geistliche Antwort auf den göttlichen Auftrag an die Menschheit, zur Schaffung einer bewohnbareren Welt beizutragen. Hier wird Spiritualität als Lebensvollzug voller Dankbarkeit und im Staunen über den Leben bewahrenden Reichtum der Schöpfung verstanden, als ein Gefühl der tief greifenden Verantwortung für alles Leben und die ganze Natur, die Gottes Schöpfung sind, und als entschiedene Auflehnung gegen alles, was diesen Reichtum bedroht.
Das Engagement der Kirchen in der Frage des Klimawandels entspringt aus dem aufmerksamen Hören auf die am stärksten verwundbaren und an den Rand der Gesellschaft gedrängten Menschen und ist die Antwort auf die prophetische Forderung nach Gerechtigkeit und Verwandlung. Diese Geschichten, zusammen mit dem biblischen Zeugnis von dem Gott des Lebens, drängen uns, zu bekräftigen, dass unsere ethische Verantwortung von Gottes Liebe für das Leben und von Gerechtigkeit, gegenseitiger Rechenschaftspflicht, Solidarität und Nachhaltigkeit geleitet sein muss.
Der besondere Beitrag der ökumenischen Arbeit im Rahmen der konzertierten Bemühungen vieler engagierter Menschen (Wissenschaftler, Politiker in den Regierungen, Unternehmen und NROs) im Blick auf den Klimawandel besteht in der ethischen und moralischen Analyse, die ihre Erkenntnisse aus dem wachsenden Konsens über die Ursachen und die Dynamik des Klimawandels gewinnt.
Die Brisanz des drohenden Klimawandels verlangt von unserer Generation unverzügliches Handeln und mehr als simple Erklärungen und Feststellungen. Es müssen alternative Modelle für unseren Lebensstil entwickelt werden. Wir rufen alle Menschen auf, zu einem Leben zu finden, das seine Qualität aus dem behutsamen Umgang mit der Natur und der Freude an der Natur sowie aus den zwischenmenschlichen Beziehungen, aus der Sorge füreinander, aus dem Aufeinanderangewiesensein, dem Vertrauen und der Solidarität gewinnt und nicht aus den Traumbildern von individueller Unabhängigkeit und materiellem Reichtum, aus Spiritualität und Gemeinschaftsgefühl, aus Verbundenheit und Vertrautheit und nicht aus einem eindimensionalen Egozentrismus. Wir schöpfen Kraft aus Erkenntnissen, die wir dem reichen, gemeinschaftsbezogenen und einfachen Lebensstil der Urvölker und anderer Gemeinschaften am Rande der Gesellschaft verdanken. Wir sind uns bewusst, dass die Wirtschaftsweise dieser Gemeinschaften mit ihren geringen Kohlendioxyd-Emissionen ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung des Klimas ist. Wir empfehlen die Schaffung 'gerechter, partizipatorischer und nachhaltiger Gemeinschaften', die sich gegenseitig unterstützen, und rufen die Kirchen und Institutionen auf, sie mit ihrer gedanklichen Arbeit und konkreten Maßnahmen auf diesem Weg zu begleiten.
Überblick über das bisherige ökumenische Engagement im Bereich des Klimawandels
Das ökumenische Engagement im Bereich des Klimawandels umfasst ethische und theologische Reflexionen über Schlüsselprobleme 1; Erarbeitung von Materialien, Übersetzung und Verbreitung; Fürsprachearbeit auf internationaler und einzelstaatlicher Ebene, einschließlich ständiger Präsenz bei allen Verhandlungen der Vereinten Nationen über den Klimawandel; regionale Unterstützung für Projekte vorwiegend in Ländern des ökonomischen Südens2; Erarbeitung von Materialien, Übersetzung und Verbreitung; Fürsprachearbeit auf internationaler und einzelstaatlicher Ebene, einschließlich ständiger Präsenz bei allen Verhandlungen der Vereinten Nationen über den Klimawandel; regionale Unterstützung für Projekte vorwiegend in Ländern des ökonomischen Südens Otin Taai Erklärung).
Der Ökumenische Rat der Kirchen setzt sein Programm zum Klimawandel mit Netzwerken engagierter Menschen in allen Regionen um; gemeinsam mit Mitgliedskirchen, nationalen Kirchenräten und regionalen ökumenischen Organisationen leistet er anwaltschaftliche Arbeit und unterstützt Projekte – so wurde z.B. eine Petitionskampagne zugunsten einer Verständigung auf erste Reduktionsziele unterstützt, die schließlich zum Kyoto-Protokoll geführt hat; er berät sich mit wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und technischen Experten über den Klimawandel unter ethischen Gesichtspunkten; er nutzt elektronische Kommunikationssysteme, um Netzwerke zu mobilisieren und zu fördern ; und er unterhält Kontakte zu anderen engagierten Werken und Organisationen innerhalb und jenseits der ökumenischen Familie.
Im Rahmen einer Mobilitätsstudie wurden die zerstörerischen Auswirkungen des Transportwesens auf die Erdatmosphäre und auf die Gesundheit untersucht und konstruktive Vorschläge für Alternativen vorgelegt.
Herausforderungen und Perspektiven für die künftige Arbeit
Aufbauend auf den oben zusammengefassten Ergebnissen und angesichts der anhaltenden und sogar noch wachsenden Brisanz des Problems engagiert sich die ÖRK-Arbeitsgruppe zum Klimawandel weiterhin in folgenden Aufgabenbereichen: A. Das Scheitern des Kyoto-Protokolls verhindern:
Wir weisen nachdrücklich darauf hin, dass die Umsetzung des Kyoto-Protokolls von entscheidender Bedeutung für künftige Schritte auf dem Wege zu einer gerechten, nachhaltigen globalen Klimapolitik ist. Unsere Hauptaufgaben sehen wir darin, bei den Industrienationen darauf hinzuwirken, dass sie ihre Ziele innerhalb des vereinbarten Zeitrahmens einhalten und dass die am meisten für Emissionen verantwortlichen Staaten wieder in den globalen Vertragsprozess eingebunden werden, damit sich auch die Entwicklungsländer in den nächsten Verhandlungsrunden zu angemessenen Reduktionsraten verpflichten können.
Eine weitere Aufgabe besteht darin zu verhindern, dass das Protokoll zu einem rein marktorientierten Instrument ohne eine tatsächliche Reduktion der Treibhausgasemissionen wird; ferner ist es notwendig, sich stärker in konzertierter Weise um Mittel zu bemühen, die (in der südlichen Erdhälfte) eine Reduktion und Anpassung auf der Grundlage gleicher Rechte an der Atmosphäre und des Verursacher-Zahler-Prinzips erlauben.
B. Erarbeitung eines Rahmens für die Zeit nach 2012:
Wir sind der Überzeugung, dass für eine wirksame, gleichberechtigte und verantwortbare globale Klimapolitik nach 2012, wenn der erste Verpflichtungszeitraum des Kyoto-Protokolls endet, eine streng an Prinzipien orientierte Strategie von entscheidender Bedeutung ist, (z. B. die Prinzipien der Gleichberechtigung, der Vorsorge, der Priorität für die Ärmsten/Schwächsten). Es müssen Szenarien ausgehandelt werden, die ein breites Spektrum an Verpflichtungen zu Emissionsbegrenzungen für entwickelte und Entwicklungsländer vorsehen, die sich am Stand und an dem Tempo der Industrialisierung orientieren, ohne eine nachhaltige Entwicklung zu gefährden. Im Blick auf die bevorstehenden Verhandlungen ist der grundlegende Rahmen für das Verringerungs- und Konvergenz-System 3 ein wichtiger Ausgangspunkt für Überlegungen und Verhandlungen, die darauf gerichtet sind, im Blick auf den Klimawandel einen auf Gerechtigkeit gegründeten globalen Ansatz zu finden. C. Stärkere Konzentration auf die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels:
Wir fordern eine ganzheitlichere Politik, die die Anpassungsprogramme in stark vom Klimawandel betroffenen Ländern unter besonderer Berücksichtigung der wachsenden Risiken in Bezug auf die Wasserreserven unterstützt. Darüber hinaus begleitet der ÖRK Gemeinschaften, die vom Klimawandel betroffen sind, mit seiner Solidarität und seiner Präsenz, aber auch durch konkrete Aktionen gemeinwesenbezogener Initiativen zu Anpassungsprojekten und zu Systemen für erneuerbare Energien.
Der Schlüssel zur Unterstützung von Gemeinschaften, die unter dem Klimawandel zu leiden haben, ist dynamische und intensive Zusammenarbeit mit konfessionellen und ökumenischen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. Vertreter und Vertreterinnen dieser Gemeinschaften sind Teil ökumenischer Delegationen auf nationalen, regionalen und internationalen Veranstaltungen, bei denen ihre Stimme, ihre Geschichten, ihre Erfahrungen und ihre Empfehlungen ausschlaggebend für ökumenische Positionen und Fürsprachearbeit sein können.
D. Veränderung des herrschenden Wirtschaftssystems:
Wir sind davon überzeugt, dass dieses Ziel nur durch eine tief greifende Veränderung des herrschenden Wirtschaftssystems zu erreichen ist, welches vor allem auf unkontrolliertes Wirtschaftswachstum abzielt und dahin tendiert, die zerstörerischen Auswirkungen auf die Menschen und auf die Erde zu ignorieren und zu leugnen. In diesem Zusammenhang könnte der ÖRK seine Bemühungen intensivieren, auf Veränderungen in der Energie-, Industrie- und Verkehrspolitik insbesondere in Ländern mit einem hohen Pro-Kopf-Konsum hinzuwirken, um die Treibhausgasemissionen (GHG) um bis zu 80 % zu reduzieren. Ferner sollte der ÖRK die transnationalen Konzerne und internationalen Finanzinstitutionen auffordern, ihre Verantwortung für den notwendigen wirtschaftlichen und technologischen Wandel wahrzunehmen. E. Neue Perspektiven für das Zeugnis und die Rolle der Kirchen:
Wir rufen die Kirchen nachdrücklich auf, in der Öffentlichkeit auf konsequentes Handeln zur Durchsetzung des Rahmenvertrags zum Klimaschutz 4 zu drängen und auf die damit verbundenen Probleme aufmerksam zu machen. Dazu könnten ÖRK-Programme wie der AGAPE-Prozess 5gehören sowie Schwerpunktbereiche von JPC wie Wasser, Biotechnologie, Geschlechterfragen und HIV/AIDS. Darüber hinaus müssen Kirchen auch weiterhin ihre Verantwortung für die Aufklärungsarbeit wahrnehmen und unter ihren Mitgliedern und in der Gesellschaft ein Beispiel setzen. Die Entwicklung lebendiger Beispiele für einen alternativen Lebensstil, in dem Werte wie die Beziehung zur Erde, zur Familie und zur Gemeinschaft höher rangieren als ein hoher materieller Konsumstandard, ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Aufgabe. Anmerkungen
1 Beschleunigter Klimawandel: Zeichen der Gefahr, Bewährung des Glaubens, 1994; Climate Change and the Search for Sustainable Societies, 1998; Mobility – Prospects of Sustainable Mobility, 1998; Die Erdatmosphäre – Verantwortliches Handeln und gerechtes Miteinanderteilen für ein globales Gemeingut, 2000; Solidarity with Victims of Climate Change, 2000; Moving Beyond Kyoto with Equity, Justice and Solidarity, 2004.
2 SSiehe die Otin-Taai-Erklärung, die von der Konsultation der Pazifischen Kirchen zum Klimawandel (Kiribati, März 2004) herausgegeben und im Februar 2005 vom Zentralausschuss des ÖRK unterstützt worden ist.
3 Das C&C-System legt ein differenziertes Szenario für die Reduktion der Emissionen von Treibhausgasen in einem Umfang vor, mit dem im Laufe der Zeit ein langfristig vertretbares Niveau der Emissionen dadurch erreicht werden soll, dass die Industriestaaten ihre Emissionen allmählich reduzieren und die ärmsten Länder die Möglichkeit zu höheren Emissionsraten erhalten, um auf diese Weise Spielraum für eine nachhaltige Entwicklung zu lassen.
4 UNFCCC: Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen
5 Alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde.
+ Dokumente, Materialien, Links zum Thema Klimawandel
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