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über der zerbrochene Stuhl...
"Der zerbrochene Stuhl", eine gigantische Holzskulptur des Schweizer Künstlers Daniel Berset, die Ende 1997 von 'Handicap International' vor dem Haupteingang des Gebäudes der Vereinten Nationen in Genf aufgestellt worden ist. Der zerbrochene Stuhl symbolisiert die Forderung der Zivilgesellschaft an die nach Genf reisenden Staatsoberhäupter. Er wird dort bis zur 40. Ratifizierung des Übereinkommens von Ottawa bleiben, durch das der Vertrag in Kraft treten und völkerrechtlich verbindlich werden wird.

DIE KAMPAGANE GEGEN LANDMINEN BRAUCHT AUCH KÜNFTIG DIE KIRCHEN!

Mehr als 25 % der 1000 Organisationen, die sich der ICBL angeschlossen haben, sind kirchliche Organisationen.

Für Abschnitte über die folgden Themas, hier klicken

"Die Kampagne gegen Landminen braucht auch künftig die Kirchen!" ist eine gemeinsame Publikation des Lutherischen Weltbundes, des Reformierten Weltbundes und des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Weitere Informationen und Kontakte, und wenn Sie dieses Publikation (auf Deutsch, English, Französich oder Spanisch) bestellen möchten:

Lutherischer Weltbund
Rebecca Larson
Postfach 2100
1211 Genf 2, Schweiz
Tel.: (41 22) 791 64 28
Fax: (41 22) 791 05 28
E-Mail: rl@lutheranworld.org

Ökumenischer Rat der Kirchen
Mariette Grange
Postfach 2100
1211 Genf 2, Schweiz
Tel.: (41 22) 791 60 46
Fax: (41 22) 788 00 67 oder 710 20 68
E-Mail: WCC Contact

Reformierter Weltbund
Seong-Won Park
Postfach 2100
1211 Genf 2, Schweiz
Tel.: (41 22) 791 62 36
Fax: (41 22) 791 65 05
E-Mail: WCC Contact

Der Inhalt darf ohne Genehmigung wiedergegeben und übersetzt werden.

Die vorliegende Veröffentlichung wurde von Mariette Grange und Rebecca Larson zusammengestellt und erscheint unter dem Titel "The Landmines Campaign Still Needs the Churches".

DER FRIEDENSNOBELPREIS
Im Dezember 1997 wurde der Friedensnobelpreis der Internationalen Kampagne für ein Verbot der Landminen und ihrer Koordinatorin, Jody Williams, zuerkannt.

Die Auszeichnung dieser Kampagne durch das Nobelkomitee ist in doppelter Hinsicht bedeutsam:

  • damit wurde die Weltöffentlichkeit auf die Bedrohung aufmerksam gemacht, die von den Antipersonenminen für die Menschheit ausgeht;

  • damit wurde die einzigartige Zusammenarbeit gewürdigt, in der Staat und Zivilgesellschaft sich um Wege bemühen, eine Welt zu schaffen, in der es keine Antipersonenminen mehr gibt.


EIN VERTRAG ÜBER DAS VERBOT DER LANDMINEN
Ebenfalls im Dezember 1997 wurde außerdem in Ottawa, Kanada, von 123 Ländern ein völkerrechtlicher Vertrag über das Verbot von Antipersonenminen unterzeichnet.

Dieser Vertrag mit dem Titel Übereinkommen über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung markiert einen Wendepunkt; mit ihm wurde eine völkerrechtliche Norm geschaffen, die den Einsatz, die Lagerung, die Herstellung und den Handel mit Landminen für illegal erklärt. Ferner verpflichtet der Vertrag die Staaten, mit allen Mitteln für die Minenräumung und für Hilfe zugunsten der Opfer Sorge zu tragen.

Viele Kirchen und kirchliche Organisationen, darunter der Lutherische Weltbund (LWF), der Reformierte Weltbund (WARC) und der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), haben sich vor allem in den letzten vier Jahren äußerst tatkräftig an der Internationalen Kampagne für ein Verbot der Landminen (ICBL) beteiligt. U.a. haben sie Aufklärungsarbeit geleistet, um Landminen im Bewußtsein der Öffentlichkeit zu ächten, und haben sich dafür stark gemacht, daß sich die Regierungen an den Verhandlungstisch setzen und den Vertrag über das Verbot unterzeichnen; vor Ort beteiligten sie sich an Minenräumungsprogrammen und an der Unterstützung der Opfer.

Alle 22 Minuten wird irgendwo in der Welt ein Mensch durch eine Landmine getötet oder verstümmelt. WIE GEHT ES NUN WEITER?
Zur Zeit wird die ICBL und werden die an der Kampagne beteiligten Kirchen häufig gefragt: "Wie geht es nun weiter? Der Vertrag ist unterzeichnet. Ist damit unsere Arbeit nicht getan"?

Eine Antwort darauf lautet, daß die größte Arbeit noch zu tun bleibt. Am Ende steht das Ziel, alle verlegten Landminen zu beseitigen sowie alle gelagerten Landminen zu vernichten und den Einsatz von Landminen zu unterbinden. Der Vertrag von Ottawa ist bislang dem Buchstaben nach ein hervorragendes Vertragswerk. Inzwischen wurde er von 127 Staaten unterzeichnet. Nun gilt es sicherzustellen, daß die Regierungen den Vertrag auch ratifizieren (und damit für ihre Länder rechtsverbindlich machen) und den Vertrag in allen Teilen in aufeinander abgestimmter Weise verwirklichen. Darüber hinaus muß den Staaten, die den Vertrag nicht unterzeichnet haben, vor Augen geführt werden, welche humanitären Konsequenzen die Waffen haben und daß die menschliche Gemeinschaft es in der Hand hat, diese Waffen zu beseitigen.

ANTIPERSONENMINEN
- DIE MENSCHLICHKEIT IN DER KRISE

Die Antipersonenminen sind ein zutiefst humanitäres Problem. Diese Kriegswaffen töten auch im Frieden. Sie sind zwar gegen Soldaten gerichtet, doch sie töten und verletzen Frauen und Kinder. Eben wegen dieser unterschiedslos gegen Menschen wirkenden Folgen sind diese Waffen nunmehr völkerrechtlich verboten.

Die statistischen Angaben sind ernüchternd:

In 70 Ländern Afrikas, Asiens, Europas, des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nord-, Mittel- und Südamerikas sind Millionen von Minen verlegt. Am stärksten betroffen sind Afghanistan, Angola, Bosnien und Herzegowina, Eritrea, Irak (Kurdistan), Kambodscha, Kroatien, Mosambik, Somalia, der Sudan und Vietnam.

Die Prothese eines heranwachsenden Kindes muß alle sechs bis zwölf Monate, die eines Erwachsenen alle drei bis fünf Jahre ausgewechselt werden.

In großer Zahl sind die Opfer zum Zeitpunkt der Verletzung allein und an entlegenen Orten. Ein Arzt des IKRK schätzt, daß 50% der Minenopfer wenige Stunden nach der Explosion sterben.

Die Gefahr der Landminen kann im Umfeld von strategischen Punkten den Zugang zu Trinkwasser und Ackerland verwehren und mobile Impfteams auf dem Land daran hindern, ihre Aufgaben wahrzunehmen.

In den letzten 55 Jahren haben Antipersonenminen mehr Todesopfer und Verletzte gefordert als alle nuklearen, biologischen und chemischen Waffen zusammengenommen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz schätzt, daß Monat für Monat 800 Menschen durch Minen getötet und weitere 1200 verstümmelt werden; das bedeutet: 2000 Opfer in jedem Monat, 25 000 in jedem Jahr.

Schätzungen von UNICEF zufolge sind 5000 bis 6000 der Opfer Kinder.

DIE INTERNATIONALE KAMPAGNE FÜR EIN VERBOT DER LANDMINEN
Im Laufe des Jahres 1991 haben mehrere nichtstaatliche Organisationen und einzelne Personen gleichzeitig eine Diskussion darüber geführt, daß die Initiativen und Forderungen für ein Verbot der Antipersonen-Landminen koordiniert werden müssen. Vertreter/innen von Handicap International, Human Rights Watch, Medical International, Mines Advisory Group, Ärzte für Menschenrechte sowie Vietnam Veterans of American Foundation trafen sich im Oktober 1992 und gründeten die Internationale Kampagne für ein Verbot der Landminen (ICBL).

Die Internationale Kampagne für ein Verbot der Landminen ist der Zusammenschluß von mehr als 1000 Gruppierungen: Menschenrechts-, humanitäre, Kinder- und Friedensgruppen, Gruppen von Veteranen und Ärzten, Initiativen für Entwicklung, Minenräumung und Waffenkontrolle, religiöse, Umwelt- und Frauengruppen aus insgesamt 60 nationalen Kampagnen, die sich alle das Ziel gesetzt haben, Antipersonenminen vollständig aus derWelt zu schaffen.

Auf ihrer jüngsten Generalversammlung im Februar 1998 in Frankfurt, Deutschland, einigte sich die ICBL über ihre Prioritäten für das Jahr 1998 in drei Hauptarbeitsgebieten: Sie wird sich für die weltweite Durchsetzung des Vertrages einsetzen und über die Rolle nachdenken, die ihre Mitglieder übernehmen können, um die Einhaltung des Vertrages zu überwachen. Sie wird die Werbung für die beiden anderen Stützpfeiler der Kampagne - Beistand für die Opfer und humanitäre Minenbeseitigung - verstärken

. Mitglieder des Koordinierungsausschusses der ICBL sind die sechs Gründungsorganisationen sowie die Afghanische Kampagne für ein Verbot der Landminen, der Verband für Flüchtlingshilfe - Japan, die Kambodschanische Kampagne für ein Verbot der Landminen, die Kolumbianische Anti-Landminen-Kampagne, die Interafrikanische Union für Menschenrechte, die Kenianische Anti-Landminen-Koalition, das Netzwerk der Überlebenden von Landminenunfällen, der Lutherische Weltbund, die Norwegische Volkshilfe sowie die Südafrikanische Kampagne für ein Verbot der Landminen.

Drei internationale Botschafter/innen vertreten die ICBL in der Öffentlichkeit und bei politischen Foren: Jody Williams, die den Friedensnobelpreis zusammen mit der ICBL erhalten hat, Rae McGrath und Tun Channereth.


Wir haben uns gemeinsam daran gemacht, eine Strategie für die Völkergemeinschaft zu entwickeln, mit deren Hilfe sie sachgemäß und aufeinander abgestimmt die rasche und wirksame Inkraftsetzung und zügige Umsetzung des neuen Übereinkommens vorantreiben und sicherstellen kann. [...] Ich möchte uns zugleich in Erinnerung rufen, daß dies nur der Anfang war. Nur in unablässigem Bemühen um Partnerschaft und Kooperation wird es uns gelingen, unser Ziel zu erreichen: eine Welt, die befreit ist von der Angst vor Antipersonenminen und von dem von ihnen verursachten Leid.

Lloyd Axworthy
Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Kanada
Abschlußrede bei der Konferenz in Ottawa am 4. Dezember 1997

UNSERE STRATEGIE
Die Verhandlungen über den Vertrag von Ottawa sind zweifellos ein denkwürdiger Markstein im Kampf gegen die Geißel der Landminen; es bleibt jedoch noch ein gewaltiges Stück Arbeit zu tun, bis die Bedrohung durch diese Waffen und bis ihre schrecklichen humanitären Auswirkungen tatsächlich gebannt sind.

Die Staaten müssen ermutigt werden!

Strategie EINS
Beobachtung der 127 Regierungen, die den Vertrag von Ottawa unterzeichnet haben.

Regierungen, die den Vertrag unterzeichnet haben, haben damit zugleich ihren Willen bekundet, ihm künftig beizutreten, und sind verpflichtet, nichts zu unternehmen, was dem Zweck und Ziel des Übereinkommens abträglich ist.

Das Übereinkommen liegt für die Staaten am Sitz der Vereinten Nationen in New York bis zu seinem Inkrafttreten, mit dem es offiziell Bestandteil des Völkerrechts wird, zur

Aktionsvorschlag:
Prüfen Sie die Liste der Staaten, die das Übereinkommen unterzeichnet haben (siehe Anhang II) und stellen Sie fest, ob Ihre Regierung dazugehört.

Wenn Ihre Regierung nicht zu den Unterzeichnern des Übereinkommens gehört, machen Sie die Öffentlichkeit, die Mitglieder der Regierung, die Abgeordneten (durch persönliches Vorstelligwerden, durch Versammlungen, Tagungen, Nachtgebete und Fastenaktionen, durch Pressekampagnen etc....) auf die Dringlichkeit des Landminen-Verbotes aufmerksam.

ZWECKDIENLICHE INFORMATIONSQUELLEN IM INTERNET

Handicap International: (englisch und französisch)
http://www.Handicap-International.org

Human Rights Watch: (arabisch, chinesisch, englisch, französisch, portugiesisch, russisch und spanisch)
http://www.hrw.org

Internationales Komitee vom Roten Kreuz (englisch und französisch)
http://www.ICRC.org

International Campaign to Ban Landmines (ICBL): (englisch)
http://www.icbl.org

Mennonite Central Committe Landmines Page: (englisch)
http://www.mennonitecc.ca

Stiftung Menschen gegen Minen (Humanitäre Stiftung von Menschen gegen Landminen) (englisch und deutsch)
http://www.dsk.de/mgm

Safe Lane (Kanadisches Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten) (englisch und französisch)
http://www.mines.gc.ca

Strategie ZWEI
Druck auf die Regierungen für eine baldige Ratifizierung und Umsetzung der Vertragsbestimmungen.

Regierungen, die diesen Vertrag ratifizieren, gehen damit umfangreiche Verpflichtungen ein. So muß der Staat sicherstellen, daß von den Streitkräften keine Landminen mehr als Waffen eingesetzt, die Entwicklung und Herstellung dieses Geräts eingestellt, gelagerte Landminen vernichtet und verminte Gebiete identifiziert, gekennzeichnet und geräumt werden. In vielen Ländern dürfte die Erfüllung dieser Verpflichtungen technische, juristische und finanzielle Hilfe in großem Umfang erforderlich machen.

Aktionsvorschlag:
Wenn Ihre Regierung das Übereinkommen unterzeichnet hat:
  • Stellen Sie fest, ob das Ratifizierungsverfahren bereits eingeleitet ist.
  • Falls nicht, fordern Sie Ihre Regierung nachdrücklich auf, ein solches Verfahren einzuleiten (wenden Sie sich beispielsweise an Ihren Abgeordneten/Ihre Abgeordnete).

Strategie DREI
Setzen Sie sich für die weltweite Geltung des Vertrages ein.

Obwohl Staaten in allen Teilen der Welt den Ottawa-Prozeß unterstützten, haben sich einige der weltweit größten Landminenproduzenten, - exporteure und -abnehmer nicht aktiv an den Verhandlungen für den Vertrag von Ottawa beteiligt und werden ihm zunächst vermutlich auch nicht beitreten. Es muß alles daran gesetzt werden, diese Länder dafür zu gewinnen, sich in die Völkergemeinschaft einzureihen und Antipersonenminen zu verbieten, damit der Vertrag von Ottawa baldmöglichst weltweit eingehalten wird.

Aktionsvorschlag:
Falls Ihr Land das Übereinkommen weder unterzeichnet noch ratifiziert hat:
  • Stellen Sie fest, ob es in Ihrem Land bereits eine Kampagne für ein Verbot der Landminen gibt, und treten Sie ihr gegebenenfalls bei. Solche Zusammenschlüsse gibt es in mehr als 60 Ländern (siehe Anhang I).
  • Falls es keinen solchen Zusammenschluß gibt, sprechen Sie andere interessierte kirchliche Gruppen, NGOs, Gewerkschaften, Frauengruppen, Juristenorganisationen, Ärztevereinigungen etc.... an und bemühen Sie sich gemeinsam um die Gründung einer nationalen Kampagne.
Strategie VIER
Verstärkte staatliche Unterstützung für Minenräumung und Hilfsprogramme zugunsten von Minenopfern

Der Vertrag von Ottawa ist lediglich eine der wichtigsten Maßnahmen, mit denen das Problem der Landminen-Verseuchung bekämpft werden muß. Zahlreiche Menschen leben noch immer in verminten Gebieten und sind täglich von diesen Waffen bedroht. Die meisten Landminen-Opfer sind noch immer nicht medizinisch versorgt, warten auf Rehabilitation und leben in sozialer und wirtschaftlicher Not; hier bedarf es wirksamer Hilfe.

Landminen sind eine von Menschen verursachte Seuche. Aber auch die Bekämpfung dieser Seuche liegt in unserer Hand. Der Vertrag von Ottawa ist ein wichtiger, aber nur ein erster Schritt.


ARGUMENTE FÜR EIN VERBOT DER LANDMINEN

Nach den Feststellungen der UNO sind 70 Länder minenverseucht. Für die Minenräumung und für Rehabilitionsmaßnahmen zugunsten der Opfer wurden von den Regierungen in Ottawa US$ 200 bis 250 Millionen zugesagt. Eine rasche Ratifizierung durch die Länder, die unter der Geißel der Landminen zu leiden haben, kann ihnen einen leichteren Zugang zu humanitären Minenräumprogrammen und zur Hilfe für Minenopfer verschaffen.

Die kanadische Regierung hat die Staaten der Welt aufgefordert, den Vertrag in ausreichender Zahl zu ratifizieren, damit er Ende des Jahres 1998 in Kraft treten kann. Die vierzig Staaten, die als erste das Übereinkommen ratifizieren, können mit weltweitem Ansehen rechnen.

In Ländern mit einer organisierten bewaffneten Opposition muß die Überzeugungsarbeit systematisch darauf gerichtet sein, auch diese Gruppen für die Respektierung der neuen humanitären Regeln zu gewinnen, die in dem Übereinkommen niedergelegt sind.

Kirchen können einen symbolischen Akt der Vertragsunterzeichnung für die Bevölkerung arrangieren und die geleisteten Unterschriften ihrer Regierung als Symbol des Engagements ihrer Bürger für ein weltweites Verbot der Landminen vorlegen.
  • Wählen Sie unter Berücksichtigung der Gegebenheiten in Ihrem Land ein geeignetes Datum und einen zeitlichen Rahmen (die Veranstaltung sollte für mehrere Tage geplant werden).

  • Werben Sie öffentlich für diese Veranstaltung und beteiligen Sie auch die Medien daran.

  • Bereiten Sie Unterschriftsformulare vor, in denen darauf hingewiesen wird, daß die Unterzeichner damit als Bürger des Landes X die Annahme der Verpflichtungen und Bestimmungen des Vertrages anerkennen.

  • Planen Sie diese Veranstaltung so, daß Menschen auf öffentlichen Plätzen überall im Land, in der Kirche, in Einkaufsstraßen etc...., per Fax oder auch durch Anruf bei einer bestimmten Telefonnummer unterzeichnen können.

  • Legen Sie die gesammelten Unterschriften Ihrer Regierung vor und beachten Sie dabei die in Ihrem Lande üblichen Formalitäten.

  • Informieren Sie die ICBL.

WAS KÖNNEN DIE KIRCHEN TUN,

weiter wachsam sein, wachsam sein, wachsam sein ...

  • weiterhin Druck auf die Regierungen ausüben, die den Vertrag unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert, oder die den Vertrag noch nicht unterzeichnet haben;
  • über die Einhaltung der Bestimmungen der Konvention über die Vernichtung der gelagerten Minen und die Räumung der verminten Gebiete durch Ihre Regierung wachen;
  • darauf achten, daß Ihre Regierung ihre Verpflichtung erfüllt, den Minenopfern Hilfe zu gewähren und sich an humanitären Aktionsprogrammen zu beteiligen;
  • die Internationale Kampagne für ein Verbot der Landminen oder nationale Kampagnen, das Rote Kreuz/den Roten Halbmond oder UNICEF von Verstößen gegen das Übereinkommen informieren, die dann den Generalsekretär der Vereinten Nationen unterrichten können, und die Presse auf derartige Vorgänge aufmerksam machen.
  • Und nicht zuletzt: Halten Sie die ICBL und/oder den LWB, den RWB und den ÖRK über Ihre Erfolge und Vorhaben auf dem laufenden.

PFLUGSCHAREN TAUGEN NICHT,
WENN DIE SCHWERTER IM BODEN BLEIBEN

Die Sprache, in der die weltweite Krise, die durch die Antipersonenminen entstanden ist, dargestellt wird, ist nicht neu. In denselben Worten verurteilte die menschliche Gemeinschaft schon vor siebzig Jahren die chemischen Waffen. Die Formulierungen appellieren an die Moral; sie sind nicht militärisch; sie sind ethisch, nicht strategisch. Man könnte sogar von "kirchlicher" Sprache reden, weil sie die grundlegenden Werte und Verhaltensweisen im menschlichen Leben und in der Gemeinschaft anspricht.

Der entscheidende Satz lautet:

Antipersonenminen sind mit dem Gewissen der Menschheit moralisch unvereinbar und müssen deshalb verurteilt werden.

Mit diesen Worten hat die Welt nach dem Ersten Weltkrieg den Einsatz von chemischen Waffen öffentlich angeprangert. Heute, vier Generationen später, wird bei dem Versuch, den sinnlosen, verheerenden Schaden aufzudecken, der von diesen kleinen, aber todbringenden Waffen ausgeht, an diese Worte und Empfindungen angeknüpft.

Seit dem Ersten Weltkrieg haben sich indessen die Regeln des Krieges verändert. Die meisten Konflikte werden nicht mehr zwischen Staaten ausgetragen. Verbrecherische interne Bürgerkriege sind das Gesetz, das die traditionellen Regeln für die Austragung militärischer Konflikte außer Kraft setzt und die Verstümmelung und Tötung von Zivilpersonen zur gewollten Strategie werden läßt. In solchen Situationen werden Antipersonenminen bewußt als Waffen eingesetzt - und sie bleiben auch noch Generationen nach dem Konflikt im Boden.

Welche Funktion kommt angesichts der veränderten und sich verändernden Kriegführung den Kirchen zu? Selbstverständlich müssen sich die Kirchen zu Wort melden, wenn es um Probleme geht, die das Gewissen der Menschheit belasten. Kann die weltweite christliche Gemeinschaft etwas dazu beitragen, daß Herstellung und Einsatz dieser Waffen unterbunden werden? Kann die weltweite christliche Gemeinschaft etwas zur Heilung des Leibes der Völker, zur Versöhnung zwischen Völkern und Staaten beitragen?

Der Prophet Jesaja stellt uns ein Bild vor Augen, das den Kirchen als Vorbild für ihre Reaktion dienen kann (Jesaja 2, 1-4). Jesaja beschreibt das Haus des Herrn, das fest auf dem höchsten Berg gegründet ist: Eine Zufluchtsstätte, ein Heiligtum, ein Ort des Heilens und der Lehre. Viele Menschen, alle Völker "ziehen hinauf zum Berg des Herrn." Und sie werden hinfort vom Krieg ablassen:

..."Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen; denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen" (Jesaja 2,4).

Eine Aufgabe der Kirche besteht darin, den Staaten Wege zu weisen, die sie vom Krieg weg und zu dem "stillen Wunder eines Lebens" in Frieden hinführen, die sie Kriegsmaterial in Werkzeuge des Friedens verwandeln und Schlachtfelder wieder reiche Ernte tragen lassen, damit die Menschen satt werden.

Was aber ist zu tun, wenn die Soldaten heimkehren und der Krieg dennoch weitergeht? Wie kann man Schwerter zu Pflugscharen machen, wenn die Felder für die Bauern unzugänglich sind, weil in ihrem fruchtbaren Boden noch immer Krieg ist? Wie können Antipersonenminen, die Schwerter des 21. Jahrhunderts, in Werkzeuge des Friedens verwandelt werden?

In Kambodscha wird gerade ein solcher Versuch unternommen. In dem Buch von Paul Davies, "War of the Mines" (Krieg der Minen), schildert der Autor folgende Szene:

An einem meiner letzten Tage in Battambang boten sich mir die eindrücklichsten und hoffnungsvollsten Zukunftsbilder. ... Händler, ausgerüstet mit alten Fahrrädern und großen Bambuskörben, fahren in Gegenden wie Rattanak Mondul und kaufen bei den Dorfbewohnern, die ihr Land zurückverlangt hatten, vom Krieg zurückgebliebenen Schrott auf. Besonders beliebt sind dabei die metallischen Überreste der sowjetischen POMZ-2-Minengehäuse. In Battambang werden diese an Schrotthändler verkauft, die wiederum die Schmelzhütten in Phnom Penh beliefern.

Zum Teil gelangen ihre Bestände aber auch in zwei Schmelzhütten in Battambang. Dort wird der Schrott, darunter auch POMZ-2-Kartuschen, eingeschmolzen und landwirtschaftliches Gerät daraus gegossen, auch die Metallzinken für die traditionellen, von Ochsen gezogenen kambodschanischen Holzpflüge, die den fruchtbaren Boden von Battambang aufbrechen (Seite 519).

Die zweite, und letztlich die einzige Möglichkeit der Kirchen, etwas dazu beizutragen, daß dieses Kriegsgerät in friedliche Werkzeuge für die Landwirtschaft und das Gemeinwesen verwandelt werden, besteht darin, es klar und deutlich und in aller Öffentlichkeit als mit dem Gewissen der Menschheit und mit Gottes Barmherzigkeit und seinem Schöpfungswerk unvereinbar zu verurteilen

. Kirchen können - und sollten - diese Waffen in der Öffentlichkeit brandmarken. Dies kann im Dialog mit Regierungen, in der Presse und in Diskussionsgruppen geschehen. Kirchen sollten sich mit anderen Gruppen und mit Menschen guten Willens zusammenschließen, um zu erreichen, daß die Produktion und der Einsatz dieser Waffen unterbunden werden. Sie sollten inbrünstig für Opfer und Täter gleichermaßen beten. Sie sollten danach trachten, Frieden und Versöhnung zu stiften.

Dieses Heft enthält Informationen darüber, wie sich Kirchen am Protest gegen Antipersonenminen beteiligen können. Im Blick auf diese Waffen haben die Kirchen zumindest die Aufgabe, nach Wegen zu suchen, wie diese Schwerter in Werkzeuge und Instrumente für Frieden und Entwicklung verwandelt werden können.


GEBETE UND RESPONSORIEN
Schw. Denise Coghlan

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Heute beten wir vor allem anderen für eine friedliche Welt, für eine Welt, die frei ist zu feiern und zu tanzen, eine Welt ohne Minen.
Wir beten für Familien, die Angehörige durch Landminen verloren haben.

Tröste sie.

Wir beten für Kinder, Frauen und Männer, die sich mühen, ein neues Leben aufzubauen.

Schenke ihnen Mut.

Wir beten für die Hersteller von Landminen, verwandle ihre Herzen.

Laß sie ihr technisches und kommerzielles Können für die Entwicklung und nicht für den Krieg nutzen

. Wir beten für die Minenräumer.

Schenke ihnen Sicherheit und Beständigkeit für ihr heiliges Werk.

Wir beten für Länder, die besonders schwer von Landminen betroffen sind.

Laß ihr Land reich mit Reis, Mais und Nahrungsgütern gesegnet und nicht von Landminen geschändet sein.

Wir beten für die Staatsoberhäupter.

Laß sie die Landminen verbieten und Mittel für Minenräumung und für Hilfe zugunsten der Opfer bereitstellen.

Barmherziger Gott, wir sagen dir Dank für deine Güte. Vergib uns unsere Schuld; hilf uns, Gutes zu tun und nicht Böses.



Er war einsam und allein in seinem Gemüsegarten und schritt langsam durch die Beete. Ab und zu blieb er stehen, um ein Blatt umzuwenden oder um sich die Früchte etwas genauer anzusehen. Seine Bewegungen waren langsam - wohl wegen der Hitze an diesem Tag, vor allem aber, weil er nur noch ein Bein hatte und sich auf seinen wackligen Krückstock stützen mußte, um vorwärts zu kommen. Sein anderes Bein war bis zur Hüfte amputiert, und weil sein Gemüsegarten an der Straße Nr. 10 im Nordwesten von Kambodscha liegt, muß man vermuten, daß er einem Landminenunfall zum Opfer gefallen ist. Später bestätigte sich das, denn rundum sein Haus, seine ordentlichen Gemüsebeete, auf dem Weg zur Pumpe und am Zugang zur Straße flatterten starkfarbige rote und weiße Bänder. Diese schlichten Warnzeichen mit der Aufschrift "Vorsicht, Minen" hingen an jedem Zaunpfahl, an jedem Baum und an kleinen Pfosten rundum den Sockel seines Hauses.

Noch mehr erschreckte uns dann wohl, was anschließend passierte. Ein junges Mädchen hüpfte ihm von den Feldern hinter dem Haus entgegen und zog einen klapprigen, abgemagerten Ochsen hinter sich her. Der Mann stützte sich auf die Schulter des Mädchens, um Halt zu finden, und gemeinsam begaben sie sich dann zu dem Haus, wo eine schmale Frau auf sie wartete. Eine unspektakuläre, aber auch eine düstere häusliche Szene. Man konnte sich kaum vorstellen, daß sie von Zeitbomben umgeben waren, die man auch Antipersonenminen nennt, die jederzeit explodieren konnten.

Ich bin nicht zu ihnen gegangen. Unsere Gruppe durfte die Straße nicht verlassen. Die ganze Gegend ist extrem gefährlich, sagte man uns. Jemand aus unserer Gruppe hatte sich schon zwei Schritte von der Straße entfernt, um mehr Schatten zu finden; er wurde aber ganz schnell in Richtung der Autos zurückgedrängt. "Sehen Sie nicht, daß überall an dieser Straße Minen verlegt sind - bringen Sie sich nicht in Gefahr." Ein guter Rat für eine Gruppe, die man als Kriegstouristen bezeichnen könnte und die gekommen war, um sich einen Eindruck von den Schäden zu verschaffen, die der jahrelange Krieg auf dem umkämpften Boden verursacht hat. Wir schauten schweigend zu der Familie hinüber - ein bißchen so, wie man im Zoo Tiere betrachtet. Tiere, die nicht hinaus konnten, Gefangene, denen es verwehrt war, frei und voller Vertrauen über das Land zu gehen.

Wir wurden ermahnt, nichts Riskantes zu tun; und sie, hatten sie eine Wahl? Sie mußten immer wieder vor Konflikten flüchten, sie mußten hinnehmen, daß Truppen ihre Felder mit Granaten verwüsteten, daß Panzer durch ihre Wassergräben fuhren und daß schließlich jedes Stück Land, in das man eindringen konnte, vermint wurde. Für diese Familie gab es nirgends einen sicheren Ort - hinter jedem Schritt aus dem Haus lauerte Gefahr. Als wir der Straße Nr. 10 folgten, merkten wir, daß nicht nur Felder, sondern auch Flüsse, Brücken, Schulen, Tempel, Tümpel und Nebenstraßen betroffen waren - Orte des Lernens, Ackerland, Fischgründe und Gottesdienststätten.

Aber warum bleiben sie? Wo sollten sie denn hingehen? Wer würde sie denn aufnehmen? Wer würde sie mit Nahrung versorgen, Reis für sie pflanzen oder sie beherbergen, so lange Zeit nach dem Ende des Konflikts? Wer würde denn in einem von Armut schwer betroffenen Land einem Bauern mit nur einem Bein Arbeit geben, oder wovon sollte diese Familie denn den Umzug an einen sichereren Ort bestreiten? Wer würde sein kleines Stück Land teilen, um diese eine Familie unterzubringen, ... wo es doch Hunderten von Familien ebenso geht? Wie lange wird es dauern, bis ein Räumtrupp bis in ihre Gegend vordringt, um sie von den stillen Mördern zu befreien?

Als Mitstreiterin der Antiminenkampagne habe ich mich bei verschiedenen Foren schriftlich geäußert: Unterstützung für Opferhilfe, Geld für Minenräumung, Keinen Einsatz von Landminen mehr! Bisher waren es Worte auf dem Papier, weit weg von den Betroffenen. Mit ist jetzt aber klar, daß diejenigen, die weit weg sind von dieser konkreten Situation, doch etwas verändern können: sie können Regierungen zu verantwortlichem Handeln bewegen, sie können hier und da etwas für die Organisationen spenden, die Minen räumen, und Familien und Bauern wie denen an der Straße Nr. 10 eine Chance geben.

4-6 Millionen Landminen liegen auf dem Boden Kambodschas. Es heißt, es werde noch 25 Jahre dauern, bis alle geräumt sind. Noch Hunderte von Bauern, Soldaten, Frauen, Kindern und Tieren werden diesen todbringenden, unterschiedslos wirkenden Waffen Jahr für Jahr zum Opfer fallen. Wie lange sollen wir noch zulassen, daß Familien wie diese in ständiger Angst leben müssen, Gefangene in ihren eigenen Häusern sind, täglich Risiken auf sich nehmen müssen, um zu überleben? Oder sind wir im Westen, im Osten, im Norden und im Süden ein besonders schwerer Fall von "aus den Augen, aus dem Sinn"?

Emma Leslie
Frontier Intern in Mission
Mitarbeiterin im Ökumenischen Zentrum Kambodscha


Herr, wie kann ich dir ohne Arme dienen?
Wie kann ich deine Wege gehen ohne Füße?
Ich habe Feuerholz gesammelt, als ich meine Arme verlor.
Ich führte die Ziegen zum Wasser und verlor meine Füße.
Ich habe einen Kopf. Doch mein Kopf versteht nicht,
weshalb auf der Weide Landminen liegen oder
weshalb über die staubige Straße zum Markt ein Stolperdraht gespannt ist.

Mein Herz ist voller Weh. Ich möchte Teil haben
an deinem Schmerz, doch ich vermag es nicht. Er ist zu groß für mich.
Du schaust auf mich, doch ich kann deinen forschenden Blick nicht ertragen.
Die Waffenfabrik gibt meinem Sohn Arbeit, und meine Steuern
werden in die Entwicklung "intelligenter" Waffen gesteckt.
Ich habe nicht protestiert, als die Soldaten Furcht in der Erde vergruben, die alte Menschen
und ängstliche Mütter erstickt und die jungen Männer mit Haß erfüllt.

Herr, wir sind alle mitschuldig an dem Verbrechen des Krieges,
der Gier nach Macht um jeden Preis.
Der Preis ist zu hoch für die Menschheit.
Herr, gib uns unsere Menschlichkeit zurück, unser ubuntu ...
Lehre uns, dir ohne Waffen zu dienen. Amen


Bischof Desmond M. Tutu


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