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ZENTRALAUSSCHUSS 1999


3. September 1999

ZENTRALAUSSCHUSS SETZT DIE ÜBERWINDUNG
VON GEWALT GANZ OBEN AUF DIE TAGESORDNUNG
FÜR DIE NÄCHSTEN SECHS JAHRE


Der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen erklärte eine Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt und legte Prioritäten für die Arbeit des Rates in den nächsten sechs Jahren fest.

Der Ausschuss beendete seine Arbeit nach neun Sitzungstagen in Genf und vertagte sich am Freitag, dem 3. September, nach dem Abschlussgottesdienst.

Die Dekade zur Überwindung von Gewalt wurde im Dezember letzten Jahres von den Delegierten der Achten Vollversammlung des ÖRK in Harare vorgeschlagen, und letzte Woche rief der Generalsekretär des Rates, Dr. Konrad Raiser, die Kirchen auf, ihren Beitrag zur Überwindung der "generalisierten Kultur der Gewalt" in der Welt zu leisten.

Dr. Olara A. Otunnu, der Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für Kinder und bewaffnete Konflikte, appellierte an den Zentralausschuss, der Rat möge mit seinem ganzen moralischen Gewicht die Resolution des UN-Sicherheitsrates, Kinder vor der Geissel des Krieges zu bewahren, unterstützen. Otunnu sagte dazu, Kinder sollten zu einer "Zone des Friedens" werden.

Die Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt wird die Kirchen einladen, über dieses Thema in christlicher Perspektive nachzudenken, und wird gleichzeitig mit der UN-Dekade zum Schutz der Kinder vor Gewalt stattfinden.

Der Zentralausschuss beschloss ferner, substantielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um das Konzept des "ökumenischen Raums" weiterzuentwickeln, das den Kirchen Gelegenheit bieten kann, zusammenzukommen und schwierige Fragen zu diskutieren, die sie zu spalten drohen. Einigen Mitgliedern des Rates, sowohl Orthodoxen als auch Protestanten, ist es bisher nicht gelungen, in Fragen wie menschlicher Sexualität, Ordination von Frauen und Missionsmethoden Einigkeit zu erzielen. Der Zentralausschuss hofft, dass das Konzept des "ökumenischen Raums" zur Entwicklung von Modellen führen wird, die es den Mitgliedskirchen ermöglichen, im Geist des Vertrauens und der gegenseitigen Achtung zusammenzuarbeiten und miteinander zu sprechen.

Der Ausschuss hielt eine Sonderplenarsitzung zu Afrika ab, um Fragen, die in Harare diskutiert worden waren, aufzugreifen und weiterzuverfolgen. Er empfahl, die Auswirkungen von Kriegen und Konflikten in Afrika, das Thema wirtschaftliche Gerechtigkeit und die Folgen der wirtschaftlichen Globalisierung für den Kontinent sowie Programme über Spiritualität "und die Förderung ethischer Werte, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen" weiter zu untersuchen.

Es wurde ankündigt, dass die "Sonderkommission" für den Dialog zwischen Orthodoxen und Protestanten im ÖRK ihre erste Tagung in der ersten Dezemberwoche 1999 in Genf abhalten wird. Diese Kommission, die sich aus orthodoxen und protestantischen Vertretern und Vertreterinnen von Mitgliedskirchen zusammensetzen wird, wird über einen Zeitraum von drei Jahren zusammenkommen. Es wird erwartet, dass sie über trennende Fragen wie auch über gemeinsame Positionen beraten und sich allgemein um grösseres gegenseitiges Verständnis bemühen wird.

Dem Zentralausschuss lagen Berichte von ACT (Kirchen helfen gemeinsam) vor, dem gemeinsam vom ÖRK und anderen christlichen Weltorganisationen gegründeten Koordinationsdienst für Nothilfe. Zur Zeit hilft ACT Tausenden von Erdbebenopfern in der Türkei, während in den letzten Monaten Hilfsgüterlieferungen für Nordkorea und intensive Flüchtlingsarbeit im Kosovo im Vordergrund standen. Die Nothilfe wird auch weiterhin ein zentrales Element der ÖRK-Arbeit sein.

Mit der Annahme des Mitgliedsantrags der Anglikanischen Kirche von Korea durch den Zentralausschuss ist die Zahl der Mitgliedskirchen des ÖRK auf 337 angestiegen. Die Aufnahme der Arbeitsgemeinschaft Christlicher in der Schweiz hat die Zahl der angeschlossenen Räte auf 55 erhöht.

Der Zentralausschuss gab mehrere Erklärungen zu Fragen von öffentlichem Interesse ab. In einem "Memorandum und Empfehlungen zur Reaktion auf bewaffnete Konflikte und zum Völkerrecht" werden die Kirchen aufgerufen, "Mittler der Versöhnung in einer friedlosen Welt zu sein" und sich "schon in einem frühen Stadium" hierzu zu verpflichten, "um die Eskalation von Konflikten" zu vermeiden. Weiter wird in dem Memorandum festgestellt, dass die ökumenische Gemeinschaft "ihre Bemühungen um Friedensschaffung um des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt willen erweitern und intensivieren muss".

In einem Protokollpunkt zu Nigeria ermutigte der Zentralausschuss die nigerianischen Kirchen,"auch weiterhin prophetisch zu ihrem Volk zu sprechen" und vergewisserte sie seiner Unterstützung für ihre Bemühungen um Versöhnung in Nigeria. In einem weiteren Protokollpunkt zu Frieden und Versöhnung zwischen Äthiopien und Eritrea unterstützte er die Kirchen und religiösen Gemeinschaften, "die auf jeder Seite einen religiösen Ausschuss eingesetzt haben, um eine friedliche Beilegung zu fördern".

Ferner gab es einen Protokollpunkt zum Status von Jerusalem. Dieser ging auf den Brief ein, den der Generalsekretär von den Patriarchen und Oberhäuptern der christlichen Gemeinschaften in Jerusalem erhalten hatte und in dem die Erklärung der Achten Vollversammlung zum Status von Jerusalem begrüsst wurde. Darin wurde "die Überzeugung des ÖRK" bekräftigt, "dass Jerusalem für den Glauben der Christen von zentraler Bedeutung ist, und die Christen verpflichtet sind, für den Frieden in Jerusalem' zu beten und zu arbeiten".

Ein weiterer Protokollpunkt ging auf die Situation in Indonesien ein, wo im Anschluss an das Referendum in Osttimor, in dem sich die Wähler für die Unabhängigkeit von Indonesien aussprachen, die gewalttätigen Ausschreitungen anhalten. Der Zentralausschuss rief die Vereinten Nationen auf, ihre Präsenz in Osttimor zu verstärken, "bis dort die Sicherheit wiederhergestellt ist".


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Der Ökumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von inzwischen 336 Kirchen in über 100 Ländern auf allen Kontinenten und aus praktisch allen christlichen Traditionen. Die römisch-katholische Kirche ist keine Mitgliedskirche, arbeitet aber mit dem ÖRK zusammen. Oberstes Leitungsorgan ist die Vollversammlung, die ungefähr alle sieben Jahre zusammentritt. Der ÖRK wurde 1948 in Amsterdam (Niederlande) offiziell gegründet. An der Spitze der Mitarbeiterschaft steht Generalsekretär Konrad Raiser von der Evangelischen Kirche in Deutschland.