Ökumenischer Rat der Kirchen Kommunikationsabteilung
Pressemitteilung

150 route de Ferney, Postfach 2100, 1211 Genf 2, Schweiz
E-Mail: media


ZENTRALAUSSCHUSS
29. Januar - 6. Februar 2001
Potsdam, Deutschland

29. Januar 2001

Das "Dilemma bleibt bestehen"


Auf der ersten Pressekonferenz im Rahmen der Potsdamer Tagung stellten sich der Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschusses, Seine Heiligkeit Aram I., Katholikos von Kilikien, Armenische Apostolische Kirche, und ÖRK-Generalsekretär Dr. Konrad Raiser den Fragen der Journalisten, die im wesentlichen Fragen der Anwendung von Gewalt betrafen.

Der Vorsitzende verwies auf seinen Bericht vor dem Zentralausschuss und bekräftigte seinen Standpunkt, dass "Gewaltlosigkeit das Sein der Kirche" ist, dass die Kirchen eine Verpflichtung zur Gewalt haben, jedoch Situationen eintreten könnten, in denen es nötig sei, "Gewalt zum Guten zu nutzen". Der Ökumenische Rat stehe hier vor einem Dilemma. Mit der "Dekade zur Überwindung von Gewalt" sehe er sich großen Herausforderungen gegenüber und trete in einen Prozess des Dialogs ein. Wichtig sei darüber hinaus, in der Frage der Gewaltanwendung die Situation anderer zu verstehen.

Generalsekretär Dr. Raiser erinnerte an den Untertitel der Dekade "Kirchen für Frieden und Versöhnung" und äusserte die Erwartung, dass es gelingen möge, die Kriterien der Gerechtigkeit und des Friedens bei der Frage der Gewaltanwendung mit einander in Verbindung zu bringen. Er konzedierte jedoch die Möglichkeit, dass die Kirchen in "unvermeidbare Situationen von Gewalt hineingezogen" werden könnten.

Auf die Frage nach einem "Sonderfond zur Überwindung von Gewalt", ähnlich dem Fond beim Anti-Rassismus-Programm erklärte der Vorsitzende, daß es im Augenblick keine konkreten Projekte gebe und es sich lediglich um einen "Denkanstoss" in seinem Bericht gehandelt habe.

Eine weitere Frage betraf die Aufarbeitung der kirchlichen Vergangenheit in den Jahren des "Kalten Krieges", die Generalsekretär Dr. Raiser in seinem Bericht angesprochen hatte. Raiser erwiderte, dass zehn Jahre nach der Wende bessere Voraussetzungen für eine Aufarbeitung bestünden als unmittelbar nach dem Fall der Mauer. Es gäbe inzwischen zahlreiche Publikationen zur Thematik. Der ÖRK habe ein Netzwerk angeregt, das dem Erfahrungsaustausch dienen soll. Darüber hinaus sei in diesem oder nächsten Jahr eine Konsultation geplant. Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) bereite bereits eine Konsultation in Tschechien vor.

Zur Frage nach dem Stand der Beziehungen zur Römisch-katholischen Kirche im Blick auf ein gemeinsames Verständnis der Taufe sah Dr. Raiser Fortschritte. Eine Arbeitsgruppe bereitet gegenwärtig eine entsprechende Handreichung für die Gemeinden vor Ort vor.

Zentralausschuss: Fotos


Weitere Informationen erhalten Sie vom Büro des ÖRK-Medienbeauftragten
Tel. (+49 331) 274 9203;
Handy: (+41 79) 284 5212
E-mail: media
Zurück zum Anfang

Liste der Pressemitteilungen 2001

ÖRK-Homepage


Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist eine Gemeinschaft von 342 Kirchen in über 100 Ländern auf allen Kontinenten und aus praktisch allen christlichen Traditionen. Die römisch-katholische Kirche ist keine Mitgliedskirche, arbeitet aber mit dem ÖRK zusammen. Oberstes Leitungsorgan ist die Vollversammlung, die ungefähr alle sieben Jahre zussammentritt. Der ÖRK wurde 1948 in Amsterdam (Niederlande) offiziell gegründet. An der Spitze der Mitarbeiterschaft steht Generalsekretär Konrad Raiser von der Evangelischen Kirche in Deutschland.