Boten des Friedens werden
Gottesdienst zur

(4. Februar 2001)

Adaptierte Deutsche Fassung des ÖRK-Gottesdienstes zur Eröffnung der Dekade zur Überwindung der Gewalt in Berlin, 4. Februar 2001.
(Eine ausführliche Fassung mit Liedertexten und Noten finden Sie auf der Website des Evangelischen Missionwerkes (EMW))

Für Gemeinden, Gruppen und ökumenische Netzwerke

Vorbemerkung:
Der Ökumenische Rat der Kirchen hat für den Zeitraum 2001 bis 2010 eine Dekade zur Überwindung von Gewalt ausgerufen. Die Dekade ruft alle Menschen dazu auf


Viele Landeskirchen, Freikirchen, Gruppen und Gemeinden haben sich zu einer Beteiligung an der Dekade entschlossen. Am 4. Februar 2001 wird sie mit einem ökumenischen Gottesdienst während des Zentralausschusses des ÖRK in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin eröffnet. Der folgende Vorschlag für einen Gottesdienstablauf, der in Gemeinden, Gruppen und Initiativen in Deutschland zur Eröffnung und weiteren Mitarbeit an der Dekade verwandt werden kann, orientiert sich an der vom ÖRK erarbeiteten Liturgie für Berlin, ist aber zugleich angepaßt und erweitert im Blick auf eine Verwendung in Ortsgemeinden Deutschlands.

Glockenläuten

Meditative Musik zum Eingang (musikalische Klage)

Eingangsworte
Wir beginnen diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, der Bund und Treue hält ewiglich,
und der das Werk seiner Hände nicht aufgibt.
Amen

Begrüßung und Einführung (zum Beispiel)
Liebe Gemeinde,
wir sind hier zusammengekommen, um innezuhalten und uns mit hineinnehmen zu lassen in die weltweite ökumenische Bewegung. Rings um den Erdball wächst die Sorge im Blick auf zunehmende Gewalt zwischen Menschen, Völkern und Religionen. Nachrichten über kriegerische Konflikte, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt gegen Frauen und Kinder, Gewöhnung an Brutalität in Video und Fernsehen halten uns in Atem. Anlässe aus der eigenen Nachbarschaft/Region rütteln uns wach... Der Ökumenische Rat der Kirchen hat aufgerufen zu einer Dekade zur Überwindung von Gewalt, die in diesem Jahr beginnt. Mit diesem Gottesdienst beteiligen wir uns daran. Wir lassen uns einladen zu einer neuen Kultur des Friedens und der Gewaltüberwindung.

Gewalt hat viele Formen und Gesichter, sehr verschiedene Opfer und Täter. Im ÖRK-Vorschlag für diesen Gottesdienst stehen Kinder im Mittelpunkt, ihr Leiden an direkter und indirekter, seelischer und struktureller Gewalt.

(Hier kann bei entsprecher Gelegenheit der Hinweis eingefügt werden: Eine Gruppe - z.B. die Konfirmanden der Gemeinde - hat im Vorraum der Kirche eine kleine Ausstellung mit Bildern und Zeitungsausschnitten zusammengestellt, die uns etwas davon ahnen lassen, in welcher Weise Kinder bei uns und weltweit heute durch direkte und indirekte Gewalt einer Minderung und Verweigerung ihrer Lebensmöglichkeiten ausgesetzt sind).

Wer wehrlos ist, klein, ohne Lobby und eigene Stimme, der zählt nichts in der Gesellschaft der Starken und in der globalen Ökonomie. Dieser Logik hat Jesus widersprochen. Deswegen nehmen wir in diesen Gottesdienst die Namen (und Gesichter) von Kindern mit hinein. Die Namen derer, die zu Unrecht leiden, gehören in das Gedächtnis der Christen, in die Öffentlichkeit der Gesellschaft. Der Gottesdienst nimmt uns hinein in die Klage der Opfer, in die Vergegenwärtigung der eigenen Anteile an der Geschichte von Gewalt und Lebensminderung und schreitet fort zur befreienden Lossprechung aus der Verstrickung in Gewaltverhältnisse, zur Ermutigung, gemeinsam Friedensboten zu werden und Zeichen des Lebens zu setzen in einer Kette des Lichts gegen Gewalt.

Eingangslied: Nun danket alle Gott (EG 321)

I) Klage und Gedenken

Sprecher (S1):
So spricht der Herr: Ein Geschrei ist in Rama zu hören, bitteres Klagen und Weinen. Rahel weint um ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen, um ihre Kinder, denn sie sind dahin. (Jer 31:15)

Meditative Zwischenmusik (Einzelinstrument; Saxophon oder Orgel)

S2: Schrei' ich: Gewalt!, wird mir keine Antwort, rufe ich um Hilfe, gibt es kein Recht. (Hiob 19:7)

Meditative Zwischenmusik (Einzelinstrument; Saxophon oder Orgel)

S1: Denk daran: Der Feind schmäht den Herrn, ein Volk ohne Einsicht lästert deinen Namen. Gib dem Raubtier das Leben deiner Taube nicht preis; das Leben deiner Armen vergiß nicht für immer! Blick hin auf deinen Bund! Denn voll von Schlupfwinkeln der Gewalt ist unser Land. Laß den Bedrückten nicht beschämt von dir weggehn! Arme und Gebeugte sollen deinen Namen rühmen. Erheb dich, Gott, und führe deine Sache! Bedenke, wie die Toren dich täglich schmähen. (Ps 74:18-22)

Meditative Zwischenmusik (Einzelinstrument; Saxophon oder Orgel)

S2: Gedenke an uns, o Gott!
Gemeinde: Gedenke an uns, o Gott!

S1: Laß die Elenden nicht vergehen.
Gemeinde: Laß die Elenden nicht vergehen

S2: Erhebe Dich, Gott.
Gemeinde: Erhebe Dich, Gott.

Vergegenwärtigung von Erfahrungen der Gewalt durch Kinder und/oder Jugendliche

Fünf größere Kerzen werden von fünf Personen (Jugendlichen) in die Kirche getragen und vor dem Altar auf den Boden gestellt. Jede Sprecherperson trägt ein Beispiel vor und zündet danach die eigene Kerze an, etwa wie folgt:

S1: Ich denke an Kinder (wie NN, Namen kann gesagt werden), die daran leiden, daß ihre Eltern im Streit miteinander leben und keine Zeit für sie haben...

Gemeinde: In Deiner Barmherzigkeit, Gott, gedenke an sie!

S2: Ich denke an Kinder (wie NN, Namen kann gesagt werden), die erpresst werden von Jugendgangs, weil sie schutzlos sind und alleingelassen...

Gemeinde: In Deiner Barmherzigkeit, Gott, gedenke an sie!

S3: Ich denke an Kinder (wie NN, Namen kann gesagt werden), die missbraucht werden durch seelische oder körperliche Gewalt und die keinen haben, an den sie sich wenden können, weil alle wegsehen oder keiner den Mut hat einzuschreiten.

Gemeinde: In Deiner Barmherzigkeit, Gott, gedenke an sie!

S4: Ich denke an Kinder (wie NN, Namen kann gesagt werden), die schutzlos der Bilderflut von Zerstörung, Haß und Gewalt in Video, Fernsehen und Internet ausgesetzt sind...

Gemeinde: In Deiner Barmherzigkeit, Gott, gedenke an sie!

S5: Ich denke an Kinder in unserer Partnerkirche in (Land), die zum Krüppel werden, weil keine Finanzmittel bereitstehen zur Räumung des Landes von Minen und Kriegsmunition.

Gemeinde: In Deiner Barmherzigkeit, Gott, gedenke an sie!

Moment der Stille
(jeder kann Kinder, um die er persönlich weiß, vor Gott bringen, die an Gewalt leiden)

Lied: Aus tiefer Not schrei ich zu Dir (EG 299) oder: Hoffnung für Kinder unter uns/Hope for the children in our midst (TM 239b)

Während dieses Liedes wird die Bibel (ggfls. auch eine Ikone vom Apostel Stephanus nach vorne in den Altarraum gebracht)

II) Erinnerung und Umkehr

Erste Biblische Lesung: Apostelgeschichte 7, 54-59

Hinführung:
S1: Liebe Gemeinde,
Wenn wir innehalten und vor Gott aussprechen, was uns erschreckt im Blick auf Gewalt unter uns und angesichts dessen, was Kindern angetan wird, dann werden wir auch offen, noch weiter zu fragen: In die Gegenwart Gottes bringen wir nicht nur die Opfer, sondern immer zugleich uns selbst, verstrickt und belastet mit einer langen Geschichte von Gewalt. Vor Gott können wir auch die Frage an uns heranlassen, welche Anteile wir selbst, unsere Kirche und Fehlformen unseres Glaubens an der Stützung und Legitimierung von Gewalt hatten und haben.

Über den charismatischen Prediger, geistbegabten Gemeindeleiter und Apostel der hellenistisch-jüdischen Gemeinde in Jerusalem, den heiligen Stephanus, heißt es in der Apostelgeschichte, nachdem die Vertreter der religiös etablierten Gruppen die Kritik des Stephanus an der Diskriminierung prophetischer Prediger unerträglich fanden:

Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen. Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen 56 und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er. Saulus aber war mit dem Mord einverstanden.

Einladung zu Besinnung und Umkehr

Liturg: Saulus, der spätere Apostel Paulus, war unter denen, die Stephanus, den ersten christlichen Märtyrer umgebracht haben. Saulus war davon überzeugt, daß er gerecht gehandelt und eine heilige Pflicht erfüllt hat, als er der Ermordung des prophetischen Predigers Stephanus in Jerusalem beiwohnte. Das Christentum kennt eine schmerzvolle und ambivalente Geschichte der eigenen Teilhabe oder der passiven Unterstützung von Gewalt aus den vermeintlich besten Gründen. Opfer und Menschen, die unterdrückt waren, können erneut selber zu Gewalttätigen und Unterdrückern werden. Es gibt Zeiten, in denen wir uns zu Aggression, Gewalt und Intoleranz hinreissen lassen. Es gibt Zeiten, in denen wir diejenigen sind, die anderen Schmerz verursachen. Es gibt Zeiten, in denen wir zusehen und billigend in Kauf nehmen.

Vergegenwärtigung der eigenen Verstrickung in Gewalt

(Die gleichen fünf Personen treten nach vorne an den Altar mit unterschiedlichen Gegenständen, die die Gewalt(verhältnisse) symbolisieren).

S1: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder, die daran leiden, daß ihre Eltern im Streit miteinander leben und keine Zeit für sie haben...
(Als Symbol wird eine Uhr vor die Kerze auf den Boden gelegt)

S2: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder, die erpresst werden von Jugendgangs, weil sie schutzlos sind und alleingelassen...
(Als Symbol wird ein Baseballschläger vor die Kerze auf den Boden gelegt)

S3: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder, die missbraucht werden durch seelische oder körperliche Gewalt und die keinen haben, an den sie sich wenden können, weil alle wegsehen oder keiner den Mut hat einzuschreiten.
(Als Symbol wird eine Binde vor den Augen auf den Boden gelegt)

S4: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder, die schutzlos der Bilderflut von Zerstörung, Haß und Gewalt in Video, Fernsehen und Internet ausgesetzt sind...
(Als Symbol wir ein Video auf den Boden gelegt)

S5: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder in unserer Partnerkirche in (Land), die zum Krüppel werden, weil keine Finanzmittel bereitstehen zur Räumung des Landes von Minen und Kriegsmunition.
(Als Symbol wird eine militärische Waffe oder eine Landkarte der betreffenden Region der Partnerkirche auf den Boden gelegt).

Liturg: Brüder und Schwestern in Christus! Wir werden nicht die Gewalt überwinden, wenn wir uns nicht der Gewalt, die in uns selber ihr Unwesen treibt, kritisch stellen und sie überwinden. Laßt uns einen Moment innehalten, um nachzudenken über unsere Verstrickung und Gefangenschaft in Gewalt.

Moment der Stille (ggfls. verbunden mit Betrachtung der Ikone des Hlg. Stephanus)

Lied: A ti Señor te pedimos (Chile) TM 29
Oder: Herr, erbarme Dich (EG 178.11)

Das Versöhnungsgebet von Coventry
Die beiden Kirchen in Coventry, England, und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtsniskirche in Berlin, wurden im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe total zerstört. In einem tief ergreifenden symbolischen Akt der Versöhnung haben Menschen in Deutschland dazu beigetragen, die Kathedrale in Coventry wieder aufzubauen und bis zum gegenwärtigen Tage wird in beiden Kirchen am Freitag Mittag jeweils das gleiche Versöhnungsgebet von Coventry gesprochen. Wir antworten jeweils auf die erste (englische) Zeile mit der deutschen Wiederholung und der abschliessenden Bitte.

(weitere sprachliche Fassungen des Gebets finden sich in: Sinfonia Oecumenica, S. 466ff)

The hatred which divides nation from nation, ethnic group from ethnic group, class from class,Den Haß, des Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,
Vater, vergib.

The covetous desires of people and nations to possess what is not their own,
Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker, zu besitzen, was nicht ihr eigen ist:
Father, forgive. The greed which exploits the work of human hands and lays waste the earth,
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menshen ausnutzt und die Erde verwüstet,
Père pardonne.

Our envy of the welfare and happiness of others,
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen:
Padre, pardónalos

Our indifference to the plight of the imprisoned, the homeless, the refugees,
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Heimatlosen und Flüchtlinge,
Aberdgi yongserhasoser (Korean)

The lust which dishonours the bodies of men, women and children,
Die Sucht nach dem Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet:
Baba dariji. (Yoruban)

The pride which leads us to trust in ourselves and not in God.
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen, nicht auf Gott:

Be kind to one another, tenderhearted, forgiving one another, as God in Christ forgave you.
Seid untereinander freudlich, herzlich und vegebt einer dem anderen, gleichwie Gott euch vergeben hat in Christus.

III) Verheissung und Erneuerung

Zusage der Vergebung

Liturg: Christus ist unser Friede.
Die getrennt waren, hat er zusammengebracht.
Abgebrochen hat er den Zaun der Feindschaft.
Durch seinen Tod hat er uns versöhnt, versöhnt mit Gott in einem Leib.
Der Gewalt hat er eine Grenze gesetzt.
Frieden hat er verkündet denen, die ferne waren,
und denen, die nahe waren.
Darum kehrt um und laßt euch ein auf den Weg des Friedens!
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten,
die da Frieden verkündigen,
Gutes predigen, Heil verkündigen,
die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!
(nach Eph. 2,14 und Jes. 52,7)

Erste Zeichenhandlung: Blumen für den Frieden

Liturg: Gewaltlosigkeit und Frieden wachsen nicht von alleine, sondern müssen gehegt und gepflegt werden in geduldiger Arbeit. Doch wo der Samen des Friedens eingepflanzt wird in guten Boden, dort wird er Frucht bringen und beitragen zu einer Transformation der Gewalt. Lasst uns Friedensboten Christi sein! Als ein Zeichen dafür, daß die Verheissung des Friedens in uns wächst, erhält jeder in der Gemeinde während des folgenden Liedes eine kleine Zwiebel (z.B. von einer Hyazinte oder einem Krokus). Im Winter zu Hause eingepflanzt, wird sie zur Osterzeit aufgehen und reiche Blüten tragen.

(Die Blumenzwiebeln können auch in einem kleinen Blumentöpfchen bereits eingepflanzt verteilt werden. Die Gemeindeglieder können je nach Gelegenheit dazu eingeladen werden, vor der Kirche ein Friedensbeet zu pflanzen oder Friedenskerzen und Friedenskrokusse in ihre Fensterbänke zu stellen als Zeichen des Engagements gegen Gewalt).

Lied: Für die Heilung aller Völker/For the healing of the nations (TM 251)
Oder: Gib uns Frieden jeden Tag (EG 425)

Zweite Biblische Lesung: Matthäus 5, 44-48

Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Predigt: Orientierungen für den Weg des Friedens (zu Matth. 5,44-48)

Lied: Damit aus Fremden Freunde werden (TM 250,1-3+6)

Glaubensbekenntnis
(hier kann nach Wunsch ein Credo eingefügt werden, z.B. das dazu passende Credo aus Seoul, Sinfonia Oecumenica S. 962)

Fürbitte (aus der Tradition der Östlich-Orthodoxen Kirche)

Christus, unser Herr, der Du für diejenigen gebetet hast, die Dich kreuzigten, und der Du uns bittest, für unsere Feinde zu beten, vergib Du denen, die uns hassen und unterdrücken, und verwandle ihr Leben durch Deine Gnade und Menschenliebe, so daß sie vom Bösen ablassen und ihre Mitmenschen lieben und ihr Leben mit Güte erfüllen können. Daß niemand von ihnen umkommen möge, sondern daß sie gemeinsam mit uns durch Reue und Umkehr den Weg zum Leben finden, darum bitten wir Dich. Herr, erhöre uns.

Kyrie eleison

Hilf uns, gnädiger Gott, soweit es irgend in Deiner Macht steht, daß wir Deinem Gebot entsprechen, unsere Feinde zu lieben und denen Gutes zu tun, die uns hassen. Wir flehen Dich an und bitten Dich: Verwandle die Verschlagenheiten unserer Feinde in Taten der Liebe und der Versöhnung. Wende ihre Gedanken zu Dir und zu Deiner Heiligen Kirche, so daß sie nicht umkommen im Zustand des Falschen. Wir beten zu Dir, Gott. Herr, erhöre uns.

Kyrie eleison

Wie unserer erster Märtyrer Stephan zu Dir gebetet hat für diejenigen, die ihn töteten, so kommen wir ebenfalls vor Dich und flehen Dich an mit ihm: Gott, Herr der Rettung und der Erlösung, zähle nicht die Sünden unserer Feinde, die uns hassen und unterdrücken, sondern vergib ihnen in Deiner Barmherzigkeit. Lass Dein Erbarmen ihnen gelten und lass in ihnen die Sehnsucht nach Umkehr wachsen. Verwandle ihr Leben, so daß niemand von ihnen umkommen möge, sondern alle gerettet werden durch Deine Gnade. Wir bitten Dich ebenso, daß Du Erbarmen über uns hast. Mit Deiner mächtigen Hand beschütze und bewahre uns vor ihrer unterdrückerischen Gewalt und Bosheit. Darum bitten wir Dich. Herr, erhöre uns.

Kyrie eleison

Herr, unser Gott, barmerziger und liebevoller Gott, sieh Du unsere Herzen an, denen es mangelt an Liebe und Einigkeit un die so umlagert sind von den Spitzen des Hasses und anderer Sünde. Lass einen Tropfen der Gnade Deines Heiligen Geistes in sie hineinfallen, so daß sie eine überreiche Fülle von guten Werken hervorbringen und daß wir in Liebe und Einheit miteinander leben. Lass durch die Gnade Deines Heiligen Geistes den Hass, der in uns wohnt, schmelzen und erwärme unsere Herzen und Seelen mit der Flamme Deiner Liebe und der Liebe für einander. Das bitten wir Dich, gnädiger Gott, voller Sehnsucht und rufen zu Dir, Du, die Quelle aller Güte. Herr, erhöre uns.

Kyrie eleison

Vater Unser (jeweils in der eigenen Muttersprache)

IV) Ermutigung und Verpflichtung

Lied: O healing river
Oder: Im Frieden mach uns eins/Seigneur rassamble nous (TM 242)

Zweite Zeichenhandlung: Lichter für den Frieden

Liturg:
Wir sind gleichzeitig geworden mit den Erfahrungen der Opfer, mit dem Weg Jesu Christi und mit dem Zeugnis der Väter und Mütter des Glaubens in der Alten Kirche. Miteinander verbunden, untereinander versöhnt und füreinander ermutigt werden wir durch das Kreuz Christi. Gemeinsam mit der ökumenischen Gemeinschaft der Kirchen im ÖRK verpflichten wir uns, an einer Kultur der Gewaltlosigkeit mitzuarbeiten und Gewalt zu überwinden. Gemeinsam sind wir getragen von der "Vision einer Kirche, dem Volk Gottes auf seinem gemeinsamen Weg, die alle Trennungen nach Rasse, Geschlecht, Alter oder Kultur herausfordert und nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung trachtet." Kinder haben genug unter Gewalt gelitten. Wir sehnen uns dem Tag entgegen, da die Verheissung von Micha Wirklichkeit wird, nach der "sie ihre Schwerter in Flugscharen umschmelzen werden, ihre Spiesse zu Sicheln. Kein Volk mehr wird wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." (Micha 4,3)

Das Kreuz Christi ist Zufluchtsort der Bedrängten und Verletzten, Quellort der Versöhnung und Verknüpfungsort des Friedens. Die Kraft des Kreuzes begrenzt und verwandelt die Gewalt. Indem wir uns im folgenden Gebet aus alter äthiopisch-orthodoxer Tradition mit der ökumenischen Christenheit aller Zeiten und Orte verbinden, stellen wir uns mit auf den Weg des Kreuzes. Wir beschreiten den Weg des Friedens.

(Drei Sprecher treten nach vorne zum Altar. Sie sprechen (wechselnd in englischer und in deutscher Fassung) jeweils die erste Zeile der Friedenslitanei. Die Gemeinde antwortet mit der zweiten Zeile. Es folgt jeweils ein Moment der Stille, in der der jeweilige Sprecher/die Sprecherin ein Teelicht anzündet an den fünf Kerzen, die vorher für die Kinder angezündet wurden. Die Teelichter werden im Altarraum so aufgestellt, daß auf dem Boden symbolisch ein Licht-Kreuz entsteht, durch das die Gegenstände, die die Gewalt symbolisieren, eingegrenzt und symbolisch in den Machtbereich des Kreuzes hineingenommen werden. Das Licht-Kreuz - die Lichter für den Frieden - wachsen auf diese Weise während der Friedenslitanei zusammen).

(Variante: Alle Gottesdienstteilnehmer erhalten kleine Teelichter und kommen in einer Wandelprozession nach vorne zum Altarraum und stellen ein (vorgezeichnetes) Lichter-Kreuz zusammen. Währenddessen kann das Lied "Dona nobis pacem" (TM 132) in der Iona-Version gesungen werden)

Altkirchliche Friedenslitanei aus Äthiopien:

S1: The cross is the way of the lost.
Congregation: The cross is the staff of the lame.

(a tee-light is put on the floor in front of the altar, gradually forming and building a cross of light) S2: The cross is the guide of the blind.
Congregation: The cross is the strength of the weak.

(a tee-light is put on the floor in front of the altar, gradually forming and building a cross of light)

S3: The cross is the hope of the hopeless.
Congregation: The cross is the freedom of the slaves.

(a tee-light is put on the floor in front of the altar, gradually forming and building a cross of light)

S1: The cross is the water of the seeds.
Congregation: The cross is the consolation of the bonded labourers.

(a tee-light is put on the floor in front of the altar, gradually forming and building a cross of light)

S2: The cross is the source of those who seek water.
Congregation: The cross is the cloth of the naked.

(a tee-light is put on the floor in front of the altar, gradually forming and building a cross of light)

S3: The cross is the healing of the broken.
Congregation: The cross is the peace of the church.

(a tee-light is put on the floor in front of the altar, gradually forming and building a cross of light)

(St. Yared, Ethiopia)

S1: Das Kreuz ist der Weg der Verlorenen.

Gemeinde: Das Kreuz ist der Stab der Lahmen.

(ein Teelicht wird auf den Boden vor dem Altar gestellt, so daß langsam ein Licht-Kreuz entsteht)

S2: Das Kreuz ist der Führer der Blinden.
Gemeinde: Das Kreuz ist die Stärke der Schwachen.

(ein Teelicht wird auf den Boden vor dem Altar gestellt, so daß langsam ein Licht-Kreuz entsteht)

S3: Das Kreuz ist die Hoffnung der Hoffnungslosen.
Gemeinde: Das Kreuz ist die Freiheit der Sklaven.

(ein Teelicht wird auf den Boden vor dem Altar gestellt, so daß langsam ein Licht-Kreuz entsteht)

S1: Das Kreuz ist das Wasser für den Samen.
Gemeinde: Das Kreuz ist der Trost der Geknechteten.

(ein Teelicht wird auf den Boden vor dem Altar gestellt, so daß langsam ein Licht-Kreuz entsteht)

S2: Das Kreuz ist die Quelle derer, die Wasser suchen.
Gemeinde: Das Kreuz ist das Tuch der Nackten.

(ein Teelicht wird auf den Boden vor dem Altar gestellt, so daß langsam ein Licht-Kreuz entsteht)

S3: Das Kreuz ist die Heilung der Gebrochenen.
Gemeinde: Das Kreuz ist der Friede der Kirche.

(ein Teelicht wird auf den Boden vor dem Altar gestellt, so daß langsam ein Licht-Kreuz entsteht)

Lied: Freunde, daß der Mandelzweig (TM 249)

V) Sendung und Segen

Sendung

Liturg:
Vom Apostel Paulus hören wir: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden. Das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter der Versöhnung an Christi statt (nach 2.Kor. 5,17).

So geht nun hin im Frieden des Herrn.
Geht weiter als Friedensboten des einen Gottes.
Jesus Christus spricht:
Ich gebe euch meinen Geist des Friedens.
Die Kraft meines Geistes erfülle euch,
sie soll euch bis in die Füße gehen.
Eure Hände sollen gestärkt werden,
daß sie Freiheit ansagen von der Verstrickung in Gewalt.
Eure Herzen sollen aufgerichtet werden,
daß sie Mut finden, dem Weg der Versöhnung zu folgen.

Segen

So segne uns Gott.
Der Segen des Gottes von Sarah und Abraham,
der Segen des Sohnes, von Maria geboren,
und der Segen des Heiligen Geistes,
der Kraft, die uns behütet
wie eine Mutter ihre Kinder,
sei mit euch allen.
Amen

Schlußlied: Laßt uns den Weg der Gerechtigkeit gehen (TM 245)
Oder: So jemand spricht: Ich liebe Gott (EG 412)

Entwurf deutsche Fassung: Dr. Dietrich Werner (und EMW-Team)

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