
Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD)
Pressemitteilung 98/2001: "Sorge vor einer weiteren Eskalation der Gewalt"
Erklärung des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, zu den Militäraktionen gegen Ziele in Afghanistan
Hannover, den 08. Oktober 2001
In dieser Stunde überwiegt bei mir die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Gewalt. Bei der Bekämpfung der Terrororganisation, die hinter den Anschlägen vom 11. September steht, und ihrer Unterstützer darf es nicht um Rache und Vergeltung, sondern allein um Bestrafung der Schuldigen und Gefahrenabwehr gehen.
Die Entwicklung in Afghanistan mahnt uns Christen, im Gebet für den Frieden nicht nachzulassen. Ich bitte die evangelischen Gemeinden und die evangelischen Christen in unserem Land, in Andachten und Gottesdiensten und auch im persönlichen Gebet die Hilfe und den Trost Gottes zu suchen. Wir denken auch an die Millionen Flüchtlinge in und um Afghanistan. Ihre Not droht nun noch schlimmer zu werden. Bitte unterstützen Sie die Hilfsmaßnahmen, die auch von der Katastrophenhilfe des Diakonischen Werkes der EKD eingeleitet wurden. Mein persönliches Mitgefühl gilt auch den in Afghanistan inhaftierten Entwicklungshelfern, deren Schicksal jetzt ungewisser ist denn je.
Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger: Setzen Sie auch Zeichen der Gesprächsbereitschaft mit den muslimischen Nachbarn. Wir wissen uns mit unseren Partnerkirchen in der Welt, auch in den Vereinigten Staaten von Amerika, darin einig, dass der Islam als Weltreligion für den Terror nicht verantwortlich ist.
Gott hält diese Welt in seinen Händen. Das ist der Trost, auch in diesen Zeiten der Gewalt und der Angst. Dieser Trost ermutigt uns, entschlossen und mit langem Atem weiter zu gehen auf dem Weg zur Überwindung von Krieg und Gewalt."